Medikamente

In der Suchtmedizin spielen bei den Medikamenten die Tranquilizer (Benzodiazepine) und Schmerzmittel (Opiate oder Opioide) die wichtigste Rolle. Außerdem ist noch das Medikament Distraneurin (Clomethiazol), das beim Alkoholentzug gegeben wird, zu erwähnen. Hierbei handelt es sich um ein Mittel mit Suchtpotential, das nur im Krankenhaus gegeben werden sollte, aber leider hin und wieder noch in der Arztpraxis verschrieben wird.

 

Benzodiazepine

Bei den Benzodiazepinen gibt es über 20 verschiedene Wirkstoffe und entsprechend viele Handelsnamen. Benzodiazepine sind zum Beispiel: Dormicum, Rohypnol, Lendormin, Mogadan, Noctamid, Planum, Remestan, Lexotanil, Adumbran, Tafil, Tavor, Praxiten, Dalmardorm, Staurodorm, Diazepam, Valium, Librium und Tranxilium und viele mehr. Der Beipackzettel gibt Auskunft darüber, ob sie ein Benzodiazepin vor sich haben.

Gegeben werden Benzodiazepine in erster Linie bei Schlafstörungen, Angststörungen, muskulären Verspannungen und gegen epileptische Anfälle. Bei langfristiger Einnahme nimmt der schlaffördernde Effekt rasch ab, die angstlösende Wirkung hält meist jedoch über Jahre an.

Bereits nach 8 Wochen kontinuierlicher Einnahme kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Eine Besonderheit bei Benzodiazepinen stellt folgendes Phänomen dar: Eine Abhängigkeit kann sich bei regelmäßiger Einnahme auch in niedriger Dosierung entwickeln. Typische Symptome bei der Benzodiazepinabhängigkeit sind emotionale Gleichgültigkeit („Egalhaltung“), Störungen der Denk- und Gedächtnisleistungen sowie körperliches Schwächeln. Somit kann sich unter langfristiger Benzodiazepineinnahme eine Veränderung der Persönlichkeit einstellen.

Werden die Benzodiazepine plötzlich abgesetzt, kann ein ausgeprägtes Entzugssyndrom auftreten. Typische Symptome sind: Schlafstörungen, Angstzunahme, Unruhe, Reizbarkeit, Schwächegefühl, Depressionen, Metallgeschmack, Lichtscheue und vieles mehr.

Die Entzugsbehandlung von den Benzodiazepinen kann ambulant oder auch stationär erfolgen. Die ambulante Entzugsbehandlung ist dann sinnvoll, wenn der Patient sich soweit im Griff hat, dass er die vorgegebenen Schemata der langsamen Verkleinerung der Tablettendosis einhalten kann. Fühlt sich der Patient hiervon überfordert oder sind die Entzugssymptome zu stark, erfolgt eine stationäre Entzugsbehandlung, in der die auftretenden Entzugssymptome unmittelbar durch differenzierte Therapieschemata behandelt werden.   

Aus suchtmedizinischer Sicht sollten Benzodiazepine lediglich als Notfallmedikament gegeben werden. Sie sind bei Ärzten sehr beliebt, da sie sehr zuverlässig wirken. Für alle Indikationen, bei denen Benzodiazepine zum Einsatz kommen, gibt es jedoch auch alternative medikamentöse Therapiemöglichkeiten ohne Abhängigkeitspotential bzw. andere Therapieverfahren, wie beispielsweise die Psychotherapie.

Sofern Sie bei einem Arzt in Behandlung sind, der Ihnen Benzodiazepine verschreibt, ist zu empfehlen, ihn auf alternative Behandlungsmöglichkeiten anzusprechen. Haben Sie die Befürchtung, von Medikamenten abhängig zu sein, stehen Ihnen sämtliche Behandlungsangebote unserer Klinik zur Verfügung. Beispielsweise können Sie sich in unsere Ambulanzsprechstunde begeben, um eine diagnostische Einschätzung vornehmen zu lassen und ein individuelles Hilfsangebot zu erhalten.

 

Distraneurin

Bei der Distraneurinabhängigkeit wird genauso vorgegangen wie bei den Benzodiazepinen. Glücklicherweise tritt diese Abhängigkeitsform heutzutage nur noch selten auf.

 

Opiathaltige Schmerzmittel

Bei Schmerzmitteln treten bei der Entwicklung einer Abhängigkeit ähnliche Symptome auf wie bei den Benzodiazepinen. Auch hier kann eine ambulante Entzugsbehandlung versucht werden. Oft erscheint jedoch eine stationäre Entzugsbehandlung notwendig. Typische Entzugssymptome sind: Starkes Verlangen nach einem Opiat, Schnupfen und Tränenfluss, Muskelschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schlafstörungen und vieles mehr. Durch eine allmähliche Herabdosierung des Opiats können diese Entzugssymptome in der Regel gut abgefangen werden. Darüber hinaus können die Symptome spezifisch durch entsprechende Medikamente behandelt werden.